Ready Made



Hier gibt es Anleitungen für Klamotten an denen man nichts wirklich nähen muß. Wir haben fertig gekaufte Kleidungsstücke umgearbeitet und teilweise was ganz anderes draus gemacht. Dafür muß man keine großen Kenntnisse in Sachen Schnitttechnik haben und braucht manchmal noch nicht einmal eine Nähmaschine. Was dabei rauskommt ist trotzdem tragbar, manchmal ein wenig Punk, aber immer individuell und vor allem selber gemacht.
Alles in allem sind die Ready Mades schnell und einfach herzustellen und eigenen sich daher hervorragend für alle die erst anfangen ihre eigenen Klamotten zu schneidern oder einfach nicht so einen Aufwand treiben wollen.


Ihr könnt die Anleitungen nach Ausgangsmaterial und/oder Endprodukt filtern und anzeigen lassen:
Aus
Ausgangsmaterial
sollEndprodukt
werden




Jeans- (Pseudo-) Korsage

Von Helen



"Pseudo-, weil es eigentlich keine richtige Korsage ist, sondern nur so aussieht. So ist sie einfacher zu nĂ€hen als mit den ganzen Einzelbahnen und dem StĂ€bchenzeugs, das man sonst braucht. Der Witz ans Ganze ist, dass sie einen kreisrunden Ausschnitt im RĂŒckenteil hat, in das man ein Symbol einknöpfen kann, ich hab ein Peace genommen, weil ich dieses Oberteil fĂŒr die große Friedens- Demo in Berlin genĂ€ht habe. Ihr könnt aber natĂŒrlich auch jedes andere Symbol nehmen, Hauptsache, man kann es irgendwie nĂ€hen."

Material
Preis
Wie viel das kostet, weiß ich nicht, aber ReißverschlĂŒsse sind wohl ziemlich teuer. Bei uns zuhause lag glĂŒcklicherweise ne ganze Kiste NĂ€hzeug rum und die NĂ€hmaschine hat mir meine Oma geschenkt...


Benötigte Maße
Ich hab's ganz ohne gemacht. Hier hab ich aber meine Maße mal angegeben, damit ihr alles nachvollziehen könnt:

Anleitung
Zuerst werden von der Jeans oder irgendeiner anderen Hose die Beine abgeschnitten, wenn ihr denn eine Hose nehmt. Aus dem Rest lĂ€sst sich ein super Mini nĂ€hen oder ihr lasst die Hotpants einfach Hotpants bleiben. Dann geht's ans Auftrennen, das geht bei Jeans am besten mit roher Gewalt. Es werden aber nur die breiten Ă€ußeren SeitennĂ€hte aufgetrennt, nicht die inneren, die brauchen wir noch! Wer daraus sein Zeichen machen möchte, kann die Ă€ußeren SeitennĂ€hte auch rausschneiden und nachher weiterverarbeiten, das spart viel NĂ€herei.
Jetzt habt ihr zwei lĂ€ngliche halbwegs viereckige StĂŒcke Stoff. Aus dem einen wird das Vorderteil, aus dem anderen das RĂŒckenteil. Wenn die Beine lang genug waren, kann man aus einem auch beides machen. Wir fangen mal mit dem Vorderteil an:

Das Rechteck, das ihr dafĂŒr braucht, sollte oben etwa so lang sein, dass es bis unter die Arme geht. (bei mir: 42x22cm)
Das, was frĂŒher mal die innere Seitennaht eurer Jeans (oder beliebiger andrer Hose) war, wird die Mitte der Korsage, vorne wie hinten. Ich habe das Hosenbein also einfach so weiterverarbeitet, wie es war, weil ich ziemlich zierlich bin. Ich denke, bis 75B funktioniert das wahrscheinlich genauso gut. Wer mit etwas mehr Oberweite gesegnet ist und eine grĂ¶ĂŸere Unterbrustweite hat, nimmt es am besten quer oder benutzt gleich richtigen Stoff und schneidet ihn passend zu, dann habt ihr keine störenden querliegenden NĂ€hte.
Vergesst aber die Nahtzugaben nicht, sonst wird die Korsage am Ende knapper als geplant oder passt am Ende sogar nicht! Als aller erstes werden Ober- und Unterkante gesĂ€umt, entweder richtig mit Umschlagen, oder mit einer einfachen Naht, wenn ihr die RĂ€nder ausfransen wollt. Wenn ihr jetzt das Rechteck so an den Körper packt, wie es ungefĂ€hr nachher liegt, fĂ€llt euch ganz bestimmt auf, dass da irgendwas bei der Form nicht stimmt. Das lĂ€sst sich aber ganz leicht beseitigen, indem ihr den Stoff entlang von zwei Linien, die am unteren Rand direkt unter den BrĂŒsten beginnen, umschlagt und so zwei Falten in den Stoff nĂ€ht. Wie weit diese Falten nach oben gehen und wie breit sie sein mĂŒssen, hĂ€ngt von der Oberweite der TrĂ€gerin und der Tiefe des gewĂŒnschten Ausschnitts ab. (LĂ€nge der Unterkante bei mir: 28cm) Und wer so sicher mit der NĂ€hmaschine ist, dass seine NĂ€hte grade werden (ich kann's immer noch nicht, es geht aber auch so), kann diese NĂ€hte farbig machen, das streckt optisch. Jetzt kann man die seitlichen RĂ€nder so zuschneiden, wie man sie braucht und im Prinzip ist das Vorderteil damit auch schon fertig.

Das RĂŒckenteil bemesst ihr so, dass es sich problemlos mit dem Vorderteil zusammennĂ€hen lĂ€sst und noch ein Reißverschluss dazwischen passt. (bei mir: 39x19,5)
Beim RĂŒckenteil sind LĂ€ngsfalten normalerweise nicht erforderlich, deshalb könnt ihr beim zugeschnittenen StĂŒck direkt die RĂ€nder sĂ€umen und euch an den Ausschnitt machen. Damit der auch richtig schön rund und nicht eierig wird, nehmt ihr einen Zirkel mit einer möglichst weichen Miene (damit zeichnet's sich besser auf Stoff) und legt zum Vorzeichen den Stoff auf links auf einen Block Papier, sonst rutscht euch die Nadel vom Zirkel dauernd ab, und zeichnet den Kreis auf die Innenseite vom RĂŒckenteil. Wenn die Linien nur schwer zu erkennen sind, zeichnet mit Tinte oder irgendetwas anderem, was sich wieder rauswaschen lĂ€sst, nach. Nahtzugaben braucht ihr hier ausnahmsweise mal keine, weil das UmnĂ€hen von runden RĂ€ndern bei so festen Stoffen wie Jeans sowieso unmöglich ist. (Wenn dieses KunststĂŒck jemand doch schaffen sollte, bitte melden!) Der Kreis wird jetzt ausgeschnitten und gesĂ€umt, und zwar möglichst nah am Rand, damit der Stoff nicht zu weit ausfranst, das ist nĂ€mlich bei runden RĂ€ndern auch nicht so einfach. Und jetzt kommt das richtig Besondere an dieser Korsage, das eingeknöpfte Zeichen nĂ€mlich:

Das wird entweder richtig aus Stoff genĂ€ht oder einfach aus den herausgeschnittenen SeitennĂ€hten der Jeans zusammengeschustert. Da muss man einfach die Teile so zusammen legen, wie man sie eben braucht, und mit ein paar Stichen verbinden. Dazu nehmt ihr am Besten die normale NĂ€hnadel, bei der NĂ€hmaschine besteht die Gefahr, dass die Nadel abbricht! Wenn ihr euch euer Zeichen selbst nĂ€hen wollt oder durch die Form des entsprechenden Symbols dazu gezwungen seit, vergesst nicht, dass ihr irgendwo die Druckknöpfe unterbringen mĂŒsst, und zwar so, dass sie keiner sieht! Von den zweiteiligen Druckknöpfen sollte der Teil an der Korsage befestigt werden, in den der andere reingedrĂŒckt wird, damit euch die Knöpfe nicht drĂŒcken, wenn ihr das Symbol mal zuhause lasst. Die Knöpfe- oder HĂ€ckchen, wenn euch das lieber ist- werden auf der Innenseite der Korsage dicht am Kreisrand und an der Außenseite des Symbols angenĂ€ht (NatĂŒrlich so, dass sie nachher auch zueinander passen *g*). So, jetzt sind die Einzelteile fertig. Jetzt braucht ihr bloß noch an der einen Seite einen Reißverschluss einzunĂ€hen und die andere zusammen nĂ€hen.

Es kann passieren, dass euer RĂŒckenteil etwas schmaler (von oben nach unten) sein muss als euer Vorderteil. Das lĂ€sst sich aber ausgleichen, indem ihr am Vorderteil von den LĂ€ngsnĂ€hten an die unteren Kanten umschlagt, wodurch der Rand schrĂ€g wird. Zu groß sollte der Unterschied aber nicht sein, sonst leidet die StabilitĂ€t der Konstruktion.

Ganz zum Schluss kommt die Arbeit, die von der ganzen Sache am uninteressantesten und langweiligsten ist, das Ausfransen nĂ€mlich: Da mĂŒsst ihr, wenn ihr schön plĂŒschige RĂ€nder wollt, vom Rand bis zu den NĂ€hten die QuerfĂ€den herausziehen, und zwar jeden einzelnen, hĂŒbsch nacheinander. Wo sie festgenĂ€ht sind, schneidet ihr sie auf der LĂ€nge der anderen Fransen ab, dann wird's noch plĂŒschiger. Achtet bei Jeansstoff darauf, wie herum ihr ihn nehmt, denn davon hĂ€ngt ab, ob die Fransen blau und plĂŒschig oder weiß und eher grade werden. PlĂŒschige Fransen helfen ĂŒbrigens auch, ungrade NĂ€hte und dĂŒrftige Schneiderarbeit zu verstecken, darum hab ich bei meiner Korsage ĂŒberhaupt erst damit angefangen.


Empfehlung
Wer eine grĂ¶ĂŸere Oberweite hat, dem sei gesagt, dass frau wegen des Ausschnittes keinen BH tragen sollte, den sieht man nĂ€mlich. Also nĂ€ht am Besten TrĂ€ger an und wenn das nicht reicht, mĂŒsst ihr das Vorderteil halt so nĂ€hen wie bei einer richtigen Korsage, also mit StĂ€bchen und so, diese hier hĂ€lt nĂ€mlich nicht viel und wenig hĂ€lt sie auch nur, wenn sie richtig gut passt. Eine Alternative wĂ€re noch, einen halterlosen BH zu nehmen und ihn ins Vorderteil einzunĂ€hen, aber dazu muss man ihn zerschneiden und ich zerschneide nicht gerne meine teure UnterwĂ€sche, aber das ist natĂŒrlich auch eine Möglichkeit. Wenn man an den BH auch noch TrĂ€ger dranmachen kann, umso besser.


Variationen
Im Prinzip funktioniert 's mit jedem festen Stoff und mit jeder Hose, nur Stretch macht sich bei Korsagen ziemlich schlecht.
Richtig geil sieht's ĂŒbrigens aus (find ich zumindest), wenn man ĂŒber Jeansstoff Spitze (vorzugsweise schwarz) legt und festnĂ€ht.


Musiktipp
Ich hatte da grade wohl meinen Balladigen, also "Pick up the Bones" oder "Every women has a name" von Alice Cooper.


Weitere Fotos dazu:

Von Cristall-Darcy:
"Das Rosen-Motiv war bereits auf einem der Hosenbeine. Ich hatte den Schnitt abgeÀndert: Hinten wird sie mit Haken und Augen geschlossen und unten geht sie spitz zu."



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