Langer Rock | |
| Autor: | Heidschnuck |
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Material
Die Angaben entsprechen einem Rock in Größe 38
Preis
Anleitung
1. Maß nehmen
Zunächst müsst Ihr Euch „vermessen“. Ihr braucht folgende Maße:

a) Euren Hüftumfang (an der breitesten Stelle)
b) Euren Taillenumfang (oder den Umfang der Stelle, an der der Rock später sitzen soll)
c) die gewünschte Rocklänge
d) den Abstand zwischen Eurer Taille und dem unteren Ende Eurer Knie
e) die Länge des Tellers, die sich aus c) - d) ergibt
f) die Weite des Rocks unter den Knien
Zu f): Je enger Ihr hier maß nehmt, desto stärker wird nachher der Fishtail-Effekt und desto figurnäher wirkt der Rock. Ich habe daher versucht, f) möglichst klein zu halten, aber natürlich dennoch groß genug, um noch laufen zu können – wenn auch nicht in großen Schritten… ;-)
Als Beispiel meine Werte:
a) 100cm
b) 80cm
c) 100cm
d) 60cm
e) 40cm
f) 80cm

Jetzt müsst Ihr überall 2cm Nahtzugaben aufschlagen, mit einer Ausnahme: am oberen Ende des Vorder- und des Hinterteils schlagt Ihr 5cm Nahtzugabe auf, weil der Tunnelzug etwas mehr Platz braucht.

2. Schnitt erstellen
Der Rock besteht aus 3 Teilen: Vorderteil und Hinterteil, die identisch aussehen, sowie dem Teller.

Und bei mir: 
Wenn Ihr den Teller größer haben wollt, als ich ihn gemacht habe, kann es sein, dass Ihr ihn nicht in einem Stück aus Eurer Stoffbahn schneiden könnt, sondern ihn aus 2 Halbkreisen zusammensetzen müsst. Dann bestünde Euer Rock aus 4 Teilen.
Jetzt wird es ein bisschen mathematisch, aber nicht abschrecken lassen, ist bald wieder vorbei! ;-) Übrigens: Wer meine Maße mehr oder weniger übernehmen kann, kann sich den nächsten Absatz komplett sparen und meine fertig ausgerechneten Beispielwerte übernehmen.
Für den Teller müssen wir herausfinden, wie groß der Radius bzw. der Durchmesser des gesamten Tellers ist. Der Durchmesser entspricht nämlich genau der Höhe und Breite des Quadrats, aus dem Ihr den Teller dann ausschneidet.
![]() |
rTK: | Radius des Tellerkreises |
| rIK: | Radius des Innenkreises |
Den großen Kreis, der unseren Teller darstellt, nenne ich hier mal Tellerkreis. Der kleine inneren Kreis ist die Öffnung, in der später Eure Beine stecken werden. Ihn nenne ich Innenkreis. Wir wissen bisher nur die Länge 42cm, die entspricht dem Radius des Tellerkreises minus dem Radius des Innenkreises und wir kennen den Umfang des Innenkreises, nämlich Euer Maß f) von oben (bei mir 80cm). Dank meiner schlauen Mathe-Formelsammlung weiß ich zum Glück:
Der Umfang eines Kreises entspricht 2 Mal 3,14 (Pi) Mal den Radius des Kreises. Das heißt für uns: Der Umfang des Innenkreises ist gleich 6,28 Mal seinen Radius und mit meinen Maßen 80cm = 6,28 Mal den Radius des Innenkreises. Und schon habe ich herausgefunden, dass der Radius des Innenkreises etwa 12,7cm beträgt. Somit ist der Radius des großen Kreises 54,7cm. Und das sieht bei mir so aus:

So, wir haben alle Maße und können uns jetzt auf den Stoff stürzen.
3. Schnittmuster auf Stoff übertragen und zuschneiden
Nun breitet Ihr den Stoff glatt auf dem Boden aus. Für den Teller braucht Ihr ein Quadrat (bei mir hat es die Maße 109,4cm x 109,4cm). Für das genaue Aufzeichnen des Tellers müsst Ihr den Mittelpunkt des Tellerkreises einzeichnen. Dazu markiert Ihr z.B. vom oberen linken Stoffrand aus nach rechts die Länge des Radius des Tellerkreises (bei mir 54,7cm) und von dort aus markiert Ihr dann noch einmal denselben Abstand nach unten. Das entspricht Eurem Tellermittelpunkt.
Nehmt das Stück Schnur, macht einen Knoten in ein Ende und steckt durch diesen Knoten eine Stecknadel. Diese Stecknadel mit der Schnur dran steckt Ihr in den Mittelpunkt des Tellerkreises und schneidet die Schnur auf die Länge des Radius des Tellerkreises (bei mir 54,7cm). Als Tipp: Wenn Ihr alles richtig bemessen habt, wird die Schnur sowohl den oberen Stoffrand als auch den linken gerade berühren. Mithilfe des Schnur-Endes könnt Ihr nun vom Mittelpunkt aus in alle Richtungen Punkte markieren und diese Später zu unserem fertigen Tellerumkreis verbinden. So habt Ihr am Ende den Umriss unseres Tellers.

Anschließend kürzt Ihr die Hilfsschnur auf die Länge des Radius des inneren Kreises (bei mir 12,7) und wiederholt die Prozedur, bis Ihr auch von ihm den genauen Umriss habt.

Auf den verbleibenden Stoff zeichnet Ihr das Vorder- und das Hinterteil. Wichtig dabei ist, dass sowohl Vorder- als auch Hinterteil in der Breite dehnbar sein sollen. (Überprüft genau, ob Euer Stoff auch wirklich dehnbar genug ist, dass Ihr den Rock später über den Po ziehen könnt. Bei meinem Stoff lässt sich ein Stück mit einer Breite von 40cm locker auf 52cm dehnen, somit bekomme ich es also auch noch über die Hüften, puh! )
Damit komme ich mit meinen 2 Metern Stoff perfekt hin:

4. Nähen
Nachdem Ihr alles zugeschnitten habt, machen wir uns endlich ans zusammennähen.
Aber vorher kurz ein paar Infos: Ich habe für den gesamten Rock dehnbare Nähte mit kurzer Stichlänge verwendet, denn mein Stoff ist nicht nur in die Querrichtung sehr strechig, sondern auch etwas in die Längsrichtung. Diese „dehnbare Nähte“-Funktion geht sehr einfach bei meiner Nähmaschine einzustellen. Falls Eure Nähmaschine das nicht kann, könnt Ihr alternativ die meisten Nähte mit einem normalen Zickzackstich nähen. Bei zwei Nähten solltet Ihr dann aber in Betracht ziehen, sie per Hand im Rückstich zu nähen: Die Naht, die den Teller mit dem Vorder- und Hinterteil verbindet, sollte wirklich elastisch sein, da es schnell passiert, dass Ihr einen etwas größeren Schritt macht, als es eine starre Naht zulässt – und schon reißt sie. Die dehnbare Naht lässt da mehr Spielraum. Die andere Naht, bei der man auf Dehnbarkeit nicht verzichten kann, ist die Naht zum Absteppen des Tunnelzugs, zu beidem später mehr.
So, jetzt geht’s aber wirklich los mit dem Nähen: Als erstes versäubert Ihr alle Ränder der Zuschnitte, die ausfransen könnten mit dem (dehnbaren!) Zickzack-Stich.
Als zweites machen wir uns an das Knopfloch. Wozu ein Knopfloch? Gute Frage, denn Knöpfe braucht unser Rock nicht. Aus dem Knopfloch am Tunnelzug hängen später die Enden Eurer Kordel zum Schnüren aus dem Rock. Aber auch wenn Ihr einen Gummizug einsetzen wollt, hat ein Knopfloch meiner Ansicht nach einen großen Vorteil: Ihr könnt auch im Nachhinein noch die Weite des Gummizugs problemlos nachkorrigieren (z.B. wenn er mal weiter oben sitzen soll als sonst oder wenn Ihr ein paar Kilo abgenommen habt, macht Ihr einfach einen kleinen Knoten rein – und schwups, der Rock ist eine Nummer kleiner!)
Die Entscheidung, wo Ihr das Knopfloch haben wollt, z.B. vorne mittig, hinten mittig oder seitlich, ist Euch überlassen. Es sollte nur etwa 3cm vom oberen Stoffende entfernt beginnen und etwa 1,5 bis 2cm lang sein. Wer sich nicht auskennt mit dem Thema Knopfloch, findet hier einen Exkurs.
Wenn Ihr fertig seid mit dem Knopfloch und es auch schon aufgetrennt habt, geht es weiter mit dem Vorder- und dem Hinterteil, die werden jetzt an den Seitennähten geschlossen. Dazu legt Ihr die beiden Zuschnitte rechts auf rechts, steckt sie an den Seiten mit Stecknadeln zusammen und steppt da entlang (dehnbar).

Jetzt schlagt den oberen Stoffrand, der hierfür ja mit 5cm extra viel Nahtzugabe bekommen hat zweimal ein, sodass ein Tunnel entsteht, steckt ihn fest mit vieeeelen Nadeln und steppt ihn schließlich dehnbar oder mit Rückstich fest.

Variante mit Gummizug |
Variante mit Kordel zum Schnüren
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So, jetzt nähen wir den Teller an das Vorder- und Hinterteil. Dazu stecken wir die Teile mit vielen Stecknadeln so exakt wie möglich zusammen. Wenn Ihr sie nun zusammennäht: Wichtig ist die Dehnbarkeit der Naht! Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich habe meine Erfahrungen damit gemacht… ;-)

Wir sind fast fertig! Probiert das gute Stück am besten schon mal an und scheut, ob er gut sitz und von der Länge passt. Wenn ja, gibt es nicht mehr viel zu tun: Der Saum ist ja bereits versäubert, Ihr müsst ihn nur noch einschlagen, feststecken und absteppen.
Tadaaaaa – fertig! Das war’s auch schon! Ich hoffe, meine Anleitung ist verständlich und Ihr habt viel Spaß beim Nachschneidern! Bei Fragen und Problemen könnt Ihr mir gerne schreiben.
Variationen


Empfehlung
Ich denke, der Rock ist durchaus für Anfänger geeignet. Es dauert nicht lange, bis er fertig ist und es sieht wirklich sexy aus! Als Erstlingswerk würde ich aber vielleicht ein Stück aus nicht dehnbarem Stoff und ohne Knopfloch empfehlen.
Musiktipp
Heidschnuck empfiehlt: Ich habe mir den Rock für ein Satyricon-Konzert genäht und habe deshalb beim Nähen natürlich auch Satyricon gehört, und zwar „The Age of Nero“ und „Now, Diabolical“. Sehr düster und atmosphärisch!