Schablonenmotive



Umgang mit Schablonen

Autor: Natron
Schwierigkeit: 2 von 4
68 Fotos dazu

Material


Preis

Viele Sachen habt ihr vielleicht noch zuhause (Klebeband, Pappe, Pinsel...), Stofffarbe kostet im kleinen Gläschen etwa 2 Euro, also nichts was einen arm macht.


Anleitung

Generell: Schablonieren ist nicht schwierig, aber ich empfehle trotzdem vorher die Technik an einem Probest√ľck auszuprobieren. Es gibt viele alternative Vorgehensweisen die man auf Tauglichkeit pr√ľfen sollte.


Zuerst das Motiv. Ihr k√∂nnt es selber malen oder ausdrucken, es sollte nur ein originalgro√ües Motiv auf Papier vorliegen. Das Motiv darf nur schwarz-wei√ü sein, also schwarze Farbfl√§chen auf einfarbigem Hintergrund. Keine Schattierungen, keine √úberg√§nge. Achtet darauf dass ihr nicht zu d√ľnne Linien habt. Ich habe zwar schon wirklich filigrane Schablonenarbeiten gesehen, aber wir wollen es f√ľr den Anfang nicht gleich √ľbertreiben.

Ein Problem bei Schablonen sind die "Löcher". Ich weiß nicht genau wie ich das erklären soll, schaut euch einfach mal dieses Bild an:
Löcher
Wenn man alles schwarze wegschneiden w√ľrde, w√ľrden die L√∂cher, obwohl sie eigentlich stehen bleiben sollen mit weg fallen. Das ist bl√∂d. Es gibt drei M√∂glichkeiten damit umzugehen.

1. Ignorieren. Dann werden die Löcher mit ausgemalt. Ist am einfachsten, hat mitunter einen schönen Effekt, kann aber auch das Motiv unleserlich/unschön machen.
Ignorieren

2. Stege einbauen. Dazu zeichnet ihr Verbinungen zwischen den weißen Flächen ein, die mit ausgeschnitten werden. Die Stellen werden bei Auftragen der Farbe nicht ausgemalt, können aber nachträglich vorsichtig mit dem Pinsel nachgemalt werden wenn euch das stört.
Stege

3. Die Klebeband-Methode. Dazu schneidet man die Löcher separat aus und klebt sie vor Auftragen der Farbe in die Schablone. So habe ich das hier gemacht. Dazu weiter unten mehr.



Exkurs: Vorlagen erstellen
Wie kann man aus einer nicht-tauglichen Vorlage eine Schablone machen? Das geht! Man nimmt sich ein kleines Grafikprogramm wie zB das kostenlose IrfanView.
Hier ist ein Beispiel mit einem Foto von Soda, welches ich letztes Weihnachten gemacht habe.

Original
Soda im Original.

Dann dreht man den Kontrast hoch (IrfanView: Bild -> Farben ändern) und reduziert die Farbanzahl (IrfanView: Bild -> Farbtiefe reduzieren) auf erstmal 16 Farben. Da muss man etwas probieren und mit den Werten von Kontrast, Gamma und Farbanzahl spielen.
Soda flächig
Soda flächig.

Schließlich kann man die Farbanzahl auf zwei bringen (IrfanView: Bild -> Farbtiefe reduzieren, kein Dithering!).
Soda schwarzweiß
Soda zweifarbig.

Aus diesem Bild kann man dann mit etwas Nachbearbeitung von Hand (kleine L√∂cher f√ľllen, unbrauchbaren Hintergrund wegschneiden, etc) eine taugliche Schablone machen.
Soda gesäubert
Soda als Schablone.

Die Einstellungen zu Kontrast und Farbreduzierung muss man ein bißchen variieren bis ein gutes Ergebnis rauskommt. Man kann auch ohne Zwischenschritt auf zwei Farben gehen, ich habe allerdings bessere Erfahrungen so gemacht. In anderen Grafikprogrammen (Photoshop, etc) gibt es mitunter einen Filter oder eine Funktion (Threshold) die aus einem Foto gleich ein zwei-farbiges Bild erstellt. Lest die Hilfe des jeweiligen Programmes durch!
Ende Exkurs


So, nehmen wir an, wir haben jetzt ein taugliches Motiv auf Papier.
Jetzt brauchen wir eine d√ľnne Plastikfolie um daraus die Schablone zu schneiden. Ich verwende diese grauen Trennbl√§tter, mit denen man in einem Ordner nach dem Alphabet sortieren kann. Die kosten kaum was und sind DIN A4 gro√ü, das reicht f√ľr die meisten Motive locker aus. Alternativ geht jede feste Folie, ihr k√∂nnt auch Schulhefter (diese mit den transparenten Vorderseiten) zerschneiden wenn ihr wollt (Nat√ľrlich Schulhefter die ihr nicht mehr braucht! Ich rufe nicht zur Zerst√∂rung von Lernmaterial auf!). Papier oder Pappe eignet sich nicht gut da es Feuchtigkeit und damit auch Farbe aufsaugt. Da werden die Kanten des Motivs schnell unsauber. Es hilft allerdings eine Papierschablone vor der Verwendung mit Lack zu bespr√ľhen, das verl√§ngert ihre Lebensdauer etwas. Unter Umst√§nden kann man auch selbstklebende Bucheinschlag-Folie verwenden, die hat den Vorteil dass sie gleich auf dem Stoff klebt, aber den Nachteil dass man sie nicht so gut wiederverwenden kann. Ihr seht, es gibt hier viele M√∂glichkeiten und jeder kommt mit "seiner" Methode am besten klar. Probiert einfach aus was euch zusagt.

Jetzt gehts los. Die Papiervorlage wird auf der R√ľckseite d√ľnn mit Klebestift beschmiert und auf die Folie geklebt. Das ist keine Verbindung f√ľrs Leben und soll auch nur vor√ľbergehend die beiden Teile aufeinander fixieren. Jetzt kann man mittels einer kleinen spitzen Schere (Nagelschere) oder des Cuttermessers das Motiv ausschneiden. Die schwarzen Fl√§chen! Denkt auch daran die Stege die ihr evtl eingezeichnet habt stehen zu lassen. Wenn ihr Methode drei verwendet um die L√∂cher zu retten dann hebt die Teile auf, die ihr wegschneidet. Wir brauchen sp√§ter die "L√∂cher" nochmal. Wenn das Motiv fertig ausgeschnitten ist kann das Papier von der Folie wieder abgezogen werden. Das ist eine sch√∂ne Eigenschaft des Klebestiftes und der Grund warum ich keinen fl√ľssigen Klebstoff empfohlen habe. Rund um das Motiv sollte noch ein Rand stehen bleiben, das verhindert dass man sp√§ter Farbe neben die Schablone bekommt.

Meine lokalpatriotische Schablone (mit Farbe drauf):
Die Schablone

So, da w√§ren wir also nun mit einer Folienschablone. Seid nett zu ihr, sie ist unter Umst√§nden sehr empfindlich und reisst schnell wenn man irgendwo drin h√§ngen bleibt. Wenn doch mal was kaputt geht kann man das in vielen F√§llen mit Tesafilm reparieren, allerdings muss man darauf achten dass die Kanten der Schablone wieder sch√∂n glatt sind und kein Tesafilm √ľbersteht.

Jetzt kommt die Pappe ins Spiel. Wir wollen nicht dass die Farbe auf die R√ľckseite eines Kleidungsst√ľcks durchkommt oder den Tisch besaut. Daher legt man die Pappe unter den Teil Stoff auf den das Motiv kommt. Also wenn ihr ein T-Shirt bemalt, legt die Pappe zwischen Vorder- und R√ľckseite des Shirts.
Den Stoff kann man mit Malerkrepp oder B√ľroklammern auf der Pappe befestigen, so dass er glatt anliegt und nicht verrutschen kann. Am besten markiert ihr vorher wohin das Motiv soll, damit ihr die Schablone anhand der Markierungen gerade und mittig auflegen k√∂nnt. Die Schablone klebt ihr auch mit Malerkrepp auf den Stoff. Wenn ihr zu wenig Rand habt k√∂nnt ihr die Schablone mit Folie oder Klebeband "verl√§ngern" und so den Stoff gro√üz√ľgiger abdecken. Man kann die Schablone auch von der R√ľckseite mit Klebestift einschmieren und auf den Stoff "kleben". Das fixiert gut und l√§sst sich sp√§ter abziehen und der Klebstoff auswaschen (√ľberpr√ľft trotzdem besser vorher ob auf der Packung des Klebestiftes was von "auswaschbar" steht). Ansonsten gibt es auch extra Spray f√ľr solche F√§lle das einen d√ľnnen Klebefilm hinterl√§sst so dass sich die Schablone leicht mehrmals ankleben und abl√∂sen l√§sst, √§hnlich wie bei Post-It Zetteln (zB "Fix it" Haftspray von Marabu).

Weiter oben haben wir √ľber "L√∂cher" gesprochen. Bei einfachen Formen kann man diese auch jetzt nachtr√§glich reinbringen, das ist Methode drei. Dazu braucht ihr die Teile die ihr aus eurer Papiervorlage ausgeschnitten habt. Klebt auf die "L√∂cher"-Stellen von hinten St√ľcke des doppelseitigen Klebebands. Zieht die R√ľckseite noch nicht ab. Erst schneidet ihr die L√∂cher (die wei√üen Bereiche wollen wir haben, nicht die schwarzen!) aus. Dann zieht die R√ľckseite des Klebebands ab und klebt die "L√∂cher" in die Schablone auf den Stoff.

Ich schabloniere ein T-Shirt f√ľr mein Herzblatt und habe die "L√∂cher" mit Methode drei gemacht. Bei mir sieht das jetzt so aus:
Ready to Rock!

Jetzt sind wir soweit und k√∂nnen mit der Farbe loslegen. Ich tupfe mit dem Pinsel etwas Farbe auf die CD, die hier als Palette dient. Die Farbe sollte nicht zu fl√ľssig sein und nicht zu dick (da kann man notfalls mit Wasser verd√ľnnen), hier hei√üt es wieder probieren. Zu d√ľnne Farbe l√§uft unter die R√§nder, zu dicke Farbe wird nicht gleichm√§√üig. Von der CD wird die Farbe dann mit dem Schw√§mmchen aufgetupft. Hier gibt es spezielle Schablonier-Schw√§mme, man kann aber auch Makeup-Schw√§mmchen aus dem Kosmetikbedarf verwenden. Wichtig ist dass der Schwamm feine Poren hat, nicht so wie ein Tafelschwamm.

Hier mein Arbeitswerkzeug:
Schwamm und Freunde

Mit dem Schw√§mmchen tupft man jetzt in geraden rauf-runter-Bewegungen die Farbe auf die L√ľcken in der Schablone. Wischt nicht mit dem Schwamm darauf rum, es wird nur getupft! So wird verhindert dass die Schablone (oder Teile davon) verrutscht und Farbe unter die R√§nder kommt. Um die Farbe dick und gleichm√§√üig aufzutragen ist es vermutlich n√∂tig mehrmals √ľber eine Stelle zu gehen. Hier kann man jetzt auch mit einer zweiten Farbe arbeiten, und andere Teile der Schablone andersfarbig ausf√ľllen.

So sieht es dann mit Farbe aus:
Farbe drauf

Wenn alles ausgemalt ist lassen wir die Farbe erst antrocknen bevor die Schablone entfernt wird. Wenn die Farbe noch nass ist kann es passieren dass sie verwischt wird wenn die Schablone runtergenommen wird. Und das wäre ärgerlich, nach all der Arbeit.

Und voila, hier m√ľssen nur noch die Klebeteile runter:
Fertig mit Klebeteilen

Nachdem dann die Schablone und alles an Klebeband entfernt ist wird die Farbe wie auf der Verpackung angeben fixiert (normalerweise durch B√ľgeln). Achtet darauf dass die Farbe trocken ist bevor ihr mit dem B√ľgeleisen anr√ľckt!

Ja, und das war es auch, dann sind wir fertig! Wascht die Schablone vorsichtig ab und bewart sie knicksicher auf, dann könnt ihr sie immer wieder verwenden.

Und so ist das Shirt dann fertig, kriegt Schatzi zum Geburtstag:
Shirt fertig



Variationen


Empfehlung

Ein bißchen Fingerfertigkeit und Geschick ist nötig, aber besonders schwierig ist es nicht.


Musiktipp

Natron empfiehlt: Zum entspannten Arbeiten Kate Bush, und falls etwas schief geht: Ministry. :)







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