Dreispitz



Hut

Autor: Jacklionheart
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Hallo.

Ich habe mich immer gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt diverses Accessoires wie Taschen, Halsbänder und Hüte in den gleichen Stoffen wie das Kostüm herzustellen. Nach einigen Nachforschungen und Bildersammeln habe ich einen kleinen Dreispitz Prototypen gebaut. Der war noch stark verbesserungsbedürftig und so bin ich mittlerweile beim 5. Hut. Den Dreh habe ich langsam raus und ich denke es ist zum Nachahmen geeignet.


Als Schnittmuster und zum Maßnehmen habe ich mir Schablonen aus Pappe und Klarsichtfolie gebaut. Als Inspiration dienen das Schnittmuster für historische Hüte von Butterick, aber da wird eher ein Miniatur Hut draus und ich möchte gerne, das man ihn richtig aufsetzen kann.

Nach diversen Studien historischer Bilder und Filme habe ich festgestellt, das die Dreispitze bei den Ladies meistens kleiner waren als die Herrenhüte, die Form war dadurch auch anders und das war auch etwas tricky bei den ersten Nähversuchen.

Am Anfang gleich der erste Hinweis - Bei dem Projekt muss man fast mehr kleben als nähen, aber das ist meine Variante. Verbesserungsvorschläge werden gerne gesehen.

Die Materialen sind recht überschaubar. Das wären der Oberstoff, in meinem Fall ist das Jacquard. Ich werde den nächsten Hut mal mit Satin versuchen. Dann habe ich Stramin für die Versteifung benutzt. Für die Form des Hutes wird ein ca 1mm starker Eisendraht benötigt, kein Stahldraht bitte, der ist zu hart. Ich habe den Draht aus dem Bastelladen, wichtig ist nur, das man Ihn ohne Zaubertrank mit der Hand biegen kann, zu weich sollte er allerdings nicht sein, sonst nützt er nichts. Zum Verschönern nehme ich Schrägband und eine Spitzenborte und damit er auch schön prunkvoll aussieht eine 50 cm lange Straußenfeder, besser noch Zwei ;) Als Klebstoff nehme ich den allseits beliebt und berüchtigten Pattex, für den empfindlichen Stoff sollte man besser zum Stoffkleber greifen.



Zum Stramin: eigentlich ist das Material zum Sticken. Ich habe es mal entdeckt als ich ein Halloween Kostüm gemacht habe, wo ein weicher Satin versteift werden musste. Stramin gibt es in jedem besseren Stoffgeschäft. Ich mag das Zeug sehr, weil es in Form bleibt, wenn man es biegt, es ist leicht und stabil. Zum Thema Kleber - Achtung! Fenster öffnen, sonst sieht man nach einiger Zeit viele Bunte Farben! Trotzdem gibt es viele Dinge die für Pattex sprechen. Der wichtigste Punkt, es ist unverwüstlich und hält Jahrelang. Ich habe viele Modelle für Film und TV gebaut. Da wurde meistens Pattex benutzt, manchmal habe ich Jahre später versucht die Sachen wieder auseinander zu nehmen, das war kein Spaß ;)

Dann habe ich gemerkt, das sich Pattex gut mit Brokaten und Jacquard verträgt ohne dabei durchzunässen, was man leider von vielen anderen Klebstoffen nicht sagen kann. Im Zweifelsfall immer mit einem Probestück Stoff erst mal checken wie es sich verhält, denn ganze Teile wegschmeißen, weil sie vom Kleber verschmiert sind, das tut wirklich weh.

Von Heißkleber würde ich abraten, da er sich nicht auf größeren Flächen anwenden lässt. Wenn man vorne anfängt ist's hinten schon trocken. Mit Textilkleber hatte ich ähnlich Erfahrungen. Außerdem kann Heißkleber dicke Nasen hinterlassen, das sieht nicht elegant unter dem Stoff aus. Textilkleber allerdings ist immer noch meine erste Wahl wenn ich Borten anklebe (kommt später noch beim Hut) oder Säume unsichtbar verklebe.



Los geht's. Ich habe zwei Lagen aus dem Stramin ausgeschnitten, als Beschwerung um die Schnittmusterfolie ab dem Stoff zu fixieren benutze ich übrigens die schönen schweren Fünf Dollar Münzen, die mir meine Tante vererbt hat. Not macht erfinderisch.



Dann habe ich den Eisendraht zurecht gebogen, so das er auf die Umrandung des Hutes passt. Zum Rand hin habe ich ca. 1-2 cm Platz gelassen., damit ich später beim Annähen der Borte nicht auf das Metall Stoße. Die beiden Enden habe ich zusammengelötet. Wer des Lötens nicht mächtig ist - Klebstoff oder Klebeband tun es auch. Dann wird der Draht mit Pattex auf die erste Lage Stramin geklebt. Dabei kann man noch gut die Lage korrigieren.



Ist das ganze einigermaßen getrocknet (ca.10 Min) wird die zweite Lage Stramin mit einer ordentlichen Portion Pattex oben draufgeklebt. Das heißt - in Sandwichbauweise befindet sich der Draht jetzt zwischen den beiden Lagen Stramin. Dadurch zeichnet sich der Draht später auch nicht ganz so unschön auf dem Oberstoff ab.

Jetzt geht es weiter mit Nähen, denn jetzt heißt es Oberstoff vorbereiten. Damit später beim Hut das Muster schön ordentlich in einer Richtung läuft, habe ich das Schnittmuster der Hutkrempe in Drei Teile zuerlegt und davon eine Schablone gemacht. Links und rechts habe 1,5cm Nahtzugabe mit eingeplant. Das gilt nur für Stoffe mit Muster aber da bei mir viele Projekte irgendein erkennbares Muster haben habe ich zu dieser Technik gegriffen. Bei einfarbigen Stoffen kann man sich diesen Schritt natürlich sparen.



Dann habe ich die Teile ausgeschnitten und zusammengenäht, das ganze jeweils 2 mal für Hut Ober- und Unterseite. Dann schön glatt bügeln.



Die Nahtzugabe habe ich mit der Zickzackschere abgeschnitten, abnähen ist hier nicht notwendig, da diese Teile auf den Stramin geklebt werden. Dann habe ich aus dem Stramin das Oberteil, quasi den Deckel des Hutes ausgeschnitten.

Ich habe lange gerätselt wie ich die Größe hinbekomme. Dann hatte ich die Idee mit dem Styropor Kopf. Den habe ich bei Ebay für 10 Euro gekauft. Der hat genau den passenden Kopfumfang für meinen Hut. Dann habe ich einen Draht genommen und um den Styroporkopf gebogen, bis ich genau die Form hatte. Jetzt konnte ich mir eine Schablone für den Deckel bzw. Ausschnitt aus der Krempe anfertigen. Es bietet sich an den Hut an der Kopfweite grundsätzlich einen Hauch größer zu machen als gewünscht. Auspolstern kann man immer, weiter machen geht nicht mehr.



Für das Seitenteil des Hutes, das die Krempe mit dem Deckel verbindet, ich nenne es mal Zylinder habe ich wieder einen Doppelstreifen Stramin ausgeschnitten. Dieser ist 5 cm hoch und dem Unfang des Hutes entsprechen in meinem Fall 56cm lang. Den Oberstoff habe ich auch zweimal mit 2cm Nahtzugabe ausgeschnitten und an den Enden versäubert. Da ich nicht genügend Stoff in der richtigen Breite hatte, musste ich etwas stückeln, aber das sieht man hinterher kaum, da die umgeklappte Krempe das Seitenteil größtenteils verdecken wird. Dann habe ich den Stramin auf den Oberstoff geklebt.



Als nächstes habe ich den Unterstoff auf die andere Seite des Stramins geklebt und die Enden zusammengenäht, so das ich einen kleinen kurzen Zylinder hatte. Die Oberseiten habe ich nach innen gefaltet und festgeklebt. Zum festhalten habe ich diese kleinen praktischen Klammern aus dem Baumarkt, man sollte immer ein paar davon im Haushalt haben ;) Man könnte die Oberseite auch umklappen und dabei festnähen, aber ich wollte keine Nähte an der Stelle.



Mit dem Hutdeckel bin ich genauso verfahren wie mit dem Seitenteil, ich habe zweimal den Oberstoff für Hut innen- und Außenseite ausgeschnitten (dabei drauf geachtet, das das Muster schön mittig sitzt) und auf den Stramin des Hutdeckels aufgeklebt. Der Oberstoff des Hutdeckels hat genauso wie das Seitenteil ca. 2cm Nähzugabe. Dann habe ich die Nähzugabe nach unten weggebogen, so das ich einen schönen großen Streifen zum festnähen hatte. Den Deckel habe ich dann in den Zylinder reingeschoben und mit Stecknadeln festgesteckt, damit alles Seiten schön gleichmäßig anliegen. Beim ersten Hut hatte ich mich in der Größe vertan, das war eine ziemliche Fuddelei, das muss man schon auf den Millimeter genau arbeiten.



Dann habe ich den Deckel mit der Hand angenäht. Ohne Fingerhut ging da gar nichts mehr, das Material ist wirklich sehr steif mit den 4 Lagen übereinander.



Wenn man dabei superordentlich ist, kann man die Stelle auch ohne Borte lassen, bei diesem Hut hier werde ich eine zarte Borte darüber setzen.

Dann habe ich mir nochmal die Krempe genommen und die Außenseite mit weißem Schrägband verschönert. Später kommt noch eine Borte an der Außenseite drüber. Die Idee mit dem Schrägband kam mir recht spät, aber ich denke es hilft diese Stellen sehr sauber aussehen zu lassen.



Tja, der Abschluss vom Schrägband, der treibt mich immer in den Wahnsinn. Einen ganz kleinen Trick gibt's damit es ein bisschen besser wird. Die Enden klappe ich nach innen um und klebe sie mit einem kleinen Tropfen Kleber zusammen, dann gehen sie nicht mehr so heftig in die Breite auseinander wenn man das Band annäht. Dann nähe ich die Enden von links und rechts kommend übereinander. Je nach Geschick kann das toll werden oder voll nach hinten losgehen ;) Im Fall des Hutes war ich nicht ganz so sorgfältig, da ja noch eine Borte über das Schrägband kommt.

Die Innenseiten der Krempe und die Unterseite des Zylinders habe ich alle 1-2 cm bis zum Stramin eingeschnitten, damit ich es besser um die Kurven legen kann.



Dann habe ich die Oberseite der Krempe nach innen geklappt und festgeklebt. So bekomme ich einen schönen sauberen Rand.



Jetzt kommt der kniffelige Teil. Den Zylinder habe ich von oben in die Krempe hineingesteckt und an den Rändern innen leicht festgeklebt. Dann habe ich alle Streifen von der Nahtzugabe des Zylinders rundum auf die Stramin Unterseite der Krempe geklebt. Als das einigermaßen getrocknet war habe ich die Nahtzugabe der Unterseite der Krempe über die Innenseite des Zylinders geklebt. Das gibt mir jetzt die Festigkeit von 3 überlappenden Stoffbahnen und reicht auf jeden Fall.



Innen ist der Hut leider nicht ganz so hübsch, es bleibt jedem selbst überlassen Ihn hier vieleicht mit Satin oder anderm Futtermaterial auszukleiden. Ich habe das erst mal weggelassen, da es mich nicht wirklich stört.

Zur Versäuberung der Oberseite kommt eine Borte auf die Oberseite des Zylinders und eine um den Übergang vom Zylinder zur Krempe. Dann sieht man im Normalfall keine Nähte mehr.

So, umgedreht sieht das doch schon fast wie ein erwachsener Hut aus ;)



Um die untere Außenseite der Krempe kommt noch die obligatorische weiße Spitzenborte. Ich denke ich werde es demnächst bei einem anderen Modell auch mal mit einer Pelzborte versuchen, das sieht bestimmt auch sehr schön aus.

Jetzt konnte ich die Enden hochbiegen um dem Dreispitz die typische Form zu geben. Es bleibt jedem selber überlassen, ob der die Krempe eher spitz oder eher rund biegt, beides hat seinen Reitz. Nachdem ich die beiden Federn festgeklebt und mit ein paar Sicherheitsstichen festgenäht habe, habe ich zu guter letzt noch die Oberseite der 3 Seiten oben am Zylinder festgenäht. Dadurch bleibt der Hut in Form und biegt sich an den Vorderseiten ein wenig nach unten, was Ihm ein sehr freches Aussehen verleiht, wenn man Ihn leicht schräg aufsetzt.

So, hier sind die Bilder vom fertigen Hut...Tadaaaaaa!

   


Hier nocheinmal eine kleine Nähanleitung für den Hut, damit der Prozess beim Zusammensetzen von Zylinder und Krempe etwas deutlicher wird. Alle Maße sind in cm.



Ich hoffe, Euch hat das WIP auch so einen Spaß gemacht wie mir.

Viele Grüße,
Jack









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